Traum 04/012

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Der Traum setzt sich aus zwei Teilen zusammen, die persistierend in meinem Kopf blieben. Traum I:

Wir (das sind viele Menschen, bekannte und unbekannte, Schulklassen gleich) befinden uns in einem großen Gebäudekomplex, eine etwas angestaubt wirkende Universität. Zu dem Gebäude gehört ein kleiner Außenkomplex; alles besteht aus Backstein, die Schule ist auf einem Berg gelegen. Alles ist in Sepia getaucht.

Das Gebäude wird unter Quarantäne gestellt. Wir werden abgeriegelt, wie mit riesigen Planen verhüllt, wir sind nun gefangen hier oben, auf dem Berg, umgeben von Wald, tief hinab. Polizisten ohne Gesichter passen wortlos auf, dass sich niemand vom Ort fortbewegt; die Schüler sind ängstlich und warten draußen auf den die Schule umgebenden Terassen.

Das Gebäude hat drei Stockwerke. Ein anderer Mensch und ich entschließen uns, in das Gebäude zu gehen. Wir schleichen uns heimlich hinein, hoch, bis ins dritte Stockwerk, das schwer abgeriegelt ist. Das Gebäude hat in der Mitte eine große Halle mit alten, hochragenden Fensterfronten, durch die gelblich das Licht scheint. Um sie herum führt ein Rundgang, aus jedem Stockwerk einer. Man kann bis auf den Boden der Halle gelangen, wenn man dem Rundgang folgt; wir gehen weiter nach oben.

Im obersten Stockwerk sehen wir Ärzte, die in einem Raum über Tische gebeugt diskutieren. Sie halt wie erschreckte Tiere inne und sehen in unsere Richtung; wir bewegen uns rückwärtig hinweg. Wir gelangen zu einem kleinen Raum, in dem eine Schalttafel ist, eine Krankenschwester blockiert die Tür. Sie verlässt den Raum und mein Begleiter geht in den Raum; Alarm wird ausgelöst, er stürmt aus dem Raum, stolpert, und fällt den Rundgang immer weiter hinunter, fällt mir lautem Klatschen gegen Wände, bis er unten vollkommen blutig in der Mitte der Halle zum erliegen kommt. Polizisten kommen und umzingeln ihn; auf dem Rundgang blicken die Schüler auf das Geschehen hinab.

In diesem Moment geht ein Ruck durch das gesamt Gebäude. Es bewegt sich. An den großen Fensterfronten wird sichtbar, dass das Gebäude nun unter Wasser taucht. Es wird dunkel, immer dunkler; das Wasser verschwindet und raue Betonwände werden sichtbar, an denen wir entlang immer tiefer nach unten gleiten. Wir kommen in einem unterirdischen Komplex zum stehen; wir Schüler werden auf Bahren einzeln durch Gänge gefahren; überall sind nur raue Betonwände, ständig sieht man junge Menschen, exerzierend, stehend, blickend.

Wir werden in einzelne Kammern, wie Zellen wirkend, gefahren. Wir werden eingeteilt. Die Meisten zur Exerzierschule; ich soll morgen an der Kommandantenschule teilnehmen. Ich weiß, dass wir nie wieder nach oben kommen werden.

Traum II:

Ich befinde mich wieder in dem unterirdischen Komplex. Mir ist jetzt klar, dass dies ein Gefängniskomplex ist, in dem Menschen eingesperrt werden und aus dem sie nie wieder heruaskommen. Was ich nicht genau weiß, ist, ob da draußen noch eine Welt existiert, oder ob dies die einzig existente ist, und dort draußen nur noch Trümmer. Es macht auf mich den Eindruck einer Orwell’schen Dystopie.

Es sind nur graue Gänge, Wände aus unverputztem Beton, Stahlrohre, Kälte. Wir sind alle nur in graue Hemden und Shorts gekleidet, bleiche Menschen, die durch diese Gänge gehen. Die Gefangenen hier sind in zwei Klassen aufgeteilt: es gibt die normalen Gefangenen, die sich mehr oder minder frei bewegen können. Und es gibt die gesonderten Gefangenen, zu denen ich gehöre. Diese haben grundlegend weniger Rechte und sind der Willkür der Wärter ausgeliefert. Zur optischen Absonderung sind diesen Insassen große, schwarze, unförmige Metallklumpen an die Unterarme montiert; wir sind weniger beweglich, weniger schnell, und können unsere Hände nicht benutzen.

Das vorherrschende Gefühl ist Ohnmacht. Wir dürfen uns zwar ebenso hier bewegen, müssen aber ständig Angst davor haben, von den Wärtern misshandelt, geschlagen oder getötet zu werden. Grundlos und ohne Erklärung. Einer sagte soetwas wie “an uns kann man alles auslassen” – wir sind der Sündenbock.

In diesem Gefängnis gibt es keine Schönheit. Bücher sind verboten, bunte Gegenstände ebenso. Wird dürfen miteinander reden, aber nicht zu auffällig. Wir sind in einer Parallelwelt, einer alternativen Gesellschaft; eine Gesellschaft, die nur auf Unterdrückung und Angst baut.

Unsere “Kaste” der gesonderten Häftlinge wird in Zeitintervallen in einen Raum geführt. Dort sind Kisten und Regale voll Gegenständen aus der “alten Welt”. Bücher, Gedichtbände, Bilder, bunte Spielzeuge. Gegenstände, die Erinnerungen an früher wach rufen. Ich sehe Insassen weinen beim Anblick dieser Dinge. Erwachsene, alte Gesichter, die in Tränen liegen.

Diese Gegenstände werden uns aus Masochismus gezeigt. Eine vollkommen nackte Gefängniswärterin passt auf uns auf. Auf die Frage hin, warum sie nackt ist, antwortet sie, dass sie gern mit den Insassen spielt, ihnen gerne zeigt, was sie nie wieder haben werden. Dabei wird klar, dass wir hier nie herauskommen werden; dass wir von außen systematisch gequält werden; dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die über uns zu stehen scheinen; dass zwischen dem ersten Traum und dem jetzigen Zeit vergangen ist. Die vorrangigen Gefühle sind Angst und Ohnmacht.

 

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